Zunahme psychischer Erkrankungen, Fokus auf Jugendliche und Frauen
Zunahme psychischer Erkrankungen, Fokus auf Jugendliche und Frauen
Weltweit leiden schätzungsweise 1,2 Milliarden Menschen an psychischen Erkrankungen. Dies entspricht etwa dem Doppelten der im Jahr 1990 gemeldeten Zahl.
Das Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) der University of Washington in den USA gab am 21. (Ortszeit) bekannt, dass es zu diesem Schluss gekommen sei, nachdem es die Prävalenz psychischer Erkrankungen (1990–2023) in 204 Ländern weltweit untersucht hatte.
Laut dem Forschungsteam belief sich die Zahl der Menschen mit psychischen Erkrankungen im Jahr 2023 auf insgesamt 1,17 Milliarden, davon 620 Millionen Frauen und 552 Millionen Männer. Dies umfasst 12 große psychische Erkrankungen wie Angststörungen, Major Depression (MDD), Schizophrenie, Autismus-Spektrum-Störungen und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS).
Umrechnet in die altersstandardisierte Prävalenz (Prävalenz, die Altersunterschiede korrigiert) bedeutet dies 14.211 Patienten pro 100.000 Einwohner, was einem Anstieg von 95,5 % gegenüber 1990 entspricht.
Bei den Jahren mit Behinderung (YLDs, Years Lived with Disability) machen psychische Erkrankungen 17,3 % der gesamten Jahre aus und übertreffen damit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und muskuloskelettale Erkrankungen.
Das Forschungsteam interpretierte: „Die Prävalenz war bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren am höchsten, und die Krankheitslast bei Frauen war deutlich höher als bei Männern.“ Dies bedeutet, dass die Belastung durch psychische Erkrankungen bei Jugendlichen und Frauen konzentriert ist.
Dieser Anstieg der Prävalenz scheint insbesondere während der COVID-19-Pandemie explosionsartig zugenommen zu haben. Laut dem Forschungsteam stieg die altersstandardisierte Prävalenz der Major Depression seit 2019 um 24 %. Im gleichen Zeitraum nahm die Prävalenz von Angststörungen um 47 % zu.
Es zeigte sich jedoch, dass die Behandlungslücke bei psychischen Erkrankungen von Land zu Land erheblich variiert. Während in einigen Hochlohnländern wie den Niederlanden, Kanada und Australien über 30 % der Patienten mit Major Depression eine angemessene Behandlung erhalten, lag die Zugangsrate zur Behandlung in über 90 Ländern unter 5 %.
Das Forschungsteam betonte: „Nationale Zusammenarbeit und kontinuierliche Investitionen sind erforderlich, um die psychische Gesundheit zu verbessern.“ Es sei besonders wichtig, den Zugang zu psychischen Gesundheitsdiensten in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen zu erweitern und frühzeitige Behandlungs- und präventionsorientierte Strategien zu stärken.
Die Ergebnisse dieser Studie wurden kürzlich in der internationalen Fachzeitschrift «The Lancet» veröffentlicht.
