Lehren aus der Medizin: Eine 100-jährige Patientin ohne Angehörige hinterlässt uns wertvolle Lektionen
Lehren aus der Medizin: Eine 100-jährige Patientin ohne Angehörige hinterlässt uns wertvolle Lektionen
Im Jahr 2020 wurde eine 100-jährige Patientin in einem neu eröffneten Krankenhaus aufgenommen. Diese ältere Dame, die ohne Angehörige ins Krankenhaus kam, erreichte die Notaufnahme drei Tage nach ihrem Sturz zu Hause, mit Bewusstseinsverlust. Sie wurde mit Lungenentzündung diagnostiziert, da ihr Husten und Auswurf sich verschlimmerten und die Entzündungswerte stiegen. Obwohl wir anfangs wegen ihres hohen Alters angespannt waren, war das größere Problem, dass sie keine Angehörigen hatte.
Schwierigkeiten für Patienten ohne Angehörige
Das Fehlen einer Person, die Entscheidungen treffen kann, war ein sehr ernstes Problem. Wichtige Untersuchungen und Behandlungen erforderten eine Zustimmung, aber selbst die Nachbarn, die die Patientin in die Notaufnahme brachten, konnten diese Verantwortung nicht übernehmen. Es gab niemanden, mit dem man über lebensverlängernde Maßnahmen wie Herz-Lungen-Wiederbelebung oder den Anschluss an ein Beatmungsgerät sprechen konnte. Ohne die Möglichkeit, eine Pflegekraft zu finden, mussten die Krankenschwestern die Patientin unter dem ständigen Klingeln der Alarme versorgen.
Obwohl die Patientin über zwanzig Tage im Krankenhaus war, verbesserte sich ihr Zustand nicht, und sie verstarb schließlich. In dieser Nacht konnten wir im Krankenhaus nicht anders, als darüber nachzudenken, was wir für Patienten ohne Angehörige tun sollten.
Die Bedeutung von Teamwork
Danach trafen wir uns mit den Abteilungen für stationäre Versorgung, Notfallmedizin, Krankenpflege, Verwaltung und Sozialarbeit, um gemeinsam an einer Lösung für das Problem zu arbeiten. Wir teilten unsere Erfahrungen und planten konkret, welche Schritte unternommen werden sollten, sobald ein Patient das Krankenhaus betritt.
- Wen sollten wir kontaktieren?
- Wann würden wir die Hilfe von Behörden oder der Polizei benötigen?
- Wie würden wir die Entlassungs- und Bestattungsformalitäten abwickeln?
Dank dieser Diskussionen konnten wir einige Monate später, als ein weiterer Patient ohne Angehörige in unser Krankenhaus kam, schnell die notwendigen Maßnahmen ergreifen. Jede Abteilung kannte ihre Rolle, und die Behandlung und Verwaltung gingen nahtlos ineinander über. Das Krankenhaus war weniger überfordert und die Patienten fühlten sich weniger allein.
Ein patientenzentriertes Gesundheitssystem
Durch diesen Prozess haben wir die Rolle des leitenden Arztes für stationäre Patienten überdacht. Wir erkannten, dass wir bei der täglichen Arbeit auf der Station nicht nur Krankheiten behandeln, sondern auch darüber nachdenken müssen, wie wir die Würde und Sicherheit der Patienten wahren können. Eine gute Behandlung rettet einen Menschen, aber ein gutes System schützt den Nächsten. Das ist der Weg zur Qualität im Gesundheitswesen.
Letztendlich hinterließ uns die 100-jährige Patientin eine neue Aufgabe. Dank ihr wurden die Verfahren zur Patientenversorgung verbessert und die Art, wie wir uns gegenseitig ansprechen, wurde etwas wärmer. Wir erkannten einmal mehr, dass ein Krankenhaus nicht nur ein Ort zur Heilung von Krankheiten ist, sondern auch ein Ort, der die verletzlichsten Momente eines Menschen mit ihm durchsteht und seine Würde bis zum letzten Atemzug wahrt.
