Ananas vor der Geburt: Verkürzt es die Wehen?
Geburt und Ananas: Hilft es wirklich?
„Wenn die Geburt naht, iss Ananas.“ Diesen Rat haben Sie vielleicht schon einmal gehört. Er ist besonders in englischsprachigen Schwangerschafts- und Eltern-Communities verbreitet. Neben scharfem Essen, Himbeerblättertee und Datteln gilt Ananas als Hausmittel zur Geburtsunterstützung und erregt besondere Aufmerksamkeit. Der Grund dafür ist die Vermutung, dass das im Ananas enthaltene Enzym Bromelain die Reifung des Gebärmutterhalses beeinflussen könnte. Obwohl die Beweise dafür bisher spärlich waren, haben kürzlich veröffentlichte Forschungsergebnisse diese Annahme wieder ins Rampenlicht gerückt.
Studienergebnisse: Verkürzt Ananas die Wehen?
Die britische Hebamme Angie stellte auf ihrem TikTok-Kanal den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Ananas im späten Stadium der Schwangerschaft und der Geburt vor. Die von ihr zitierte Studie wurde im April dieses Jahres in der Fachzeitschrift Medicine veröffentlicht und analysierte Daten von 2400 Frauen, die in Nigeria entbunden hatten. Die Forscher verglichen den Reifegrad des Gebärmutterhalses, die Dauer der Wehen und die Art der Entbindung zwischen Gruppen, die Ananas konsumierten, und solchen, die dies nicht taten.
Positive Ergebnisse des Ananas-Konsums
Die Analyse ergab, dass Frauen, die im dritten Trimester Ananas konsumierten, bei der Aufnahme in die Klinik einen höheren Bishop-Score aufwiesen, der den Reifegrad des Gebärmutterhalses bewertet. Dies bedeutet, dass der Gebärmutterhals besser auf die Geburt vorbereitet war. Außerdem verkürzte sich die Wehenzeit um durchschnittlich 1,7 Stunden, und die Wahrscheinlichkeit einer natürlichen vaginalen Geburt stieg um etwa 1,8-mal. Im Gegensatz dazu war die Kaiserschnittrate niedriger.
- Reifegrad des Gebärmutterhalses: Höher in der Ananas-Konsumgruppe
- Wehenzeit: Durchschnittlich 1,7 Stunden kürzer
- Wahrscheinlichkeit einer natürlichen vaginalen Geburt: 1,8-mal höher
- Kaiserschnittrate: Niedriger
Zusammenhang mit der Gesundheit des Neugeborenen?
In Bezug auf die Gesundheit der Neugeborenen gab es keine signifikanten Unterschiede. Es gab keine nennenswerten Unterschiede zwischen den Gruppen hinsichtlich Geburtsgewicht, Apgar-Score oder der Rate der Aufnahme auf der Neugeborenen-Intensivstation (NICU). Die Forscher stellten außerdem fest, dass mit zunehmendem Ananas-Konsum die Wehenzeit tendenziell kürzer und die Rate der natürlichen Geburten höher war.
Vorsichtsmaßnahmen und Expertenmeinungen
Diese Studie ist jedoch eine Beobachtungsstudie und keine randomisierte klinische Studie, daher kann nicht endgültig gesagt werden, dass Ananas die Geburt direkt beschleunigt. Angie sagte: „Wenn Sie Ananas mögen, kann der Verzehr im späten Stadium der Schwangerschaft hilfreich sein“, fügte aber hinzu: „Es sind weitere Studien erforderlich, um die geburtsfördernde Wirkung eindeutig nachzuweisen.“
In Südkorea gibt es unterdessen auch das Gerücht, dass der Verzehr von Ananas im frühen Stadium der Schwangerschaft das Risiko einer Fehlgeburt erhöht. Dies liegt an der Behauptung, dass Bromelain Wehen auslösen könnte. Bisher gibt es jedoch keine Beweise dafür, dass der Verzehr von Ananas in normalen Mengen zu Fehl- oder Frühgeburten führt. Gynäkologen erklären, dass die Menge an Bromelain im Fruchtfleisch von Ananas nicht sehr hoch ist und größtenteils während der Verdauung abgebaut wird.
