Frau, die 40 Jahre lang nur Kartoffeln aß, isst jetzt Bananen – und das ist der Grund
Frau, die 40 Jahre lang nur Kartoffeln aß, entdeckt neue Lebensmittel
Eine faszinierende Geschichte macht die Runde: Eine Frau in ihren Vierzigern, die fast 40 Jahre lang nichts anderes als Kartoffeln essen konnte, hat durch Hypnotherapie gelernt, eine Vielzahl von Lebensmitteln zu genießen. Die Rede ist von der 42-jährigen Rachel Hall aus Nuneaton, Warwickshire, England. Seit ihrer Kindheit litt sie unter Essensvermeidung und einem starken Würgereflex, der sie daran hinderte, verschiedene Nahrungsmittel richtig zu sich zu nehmen.
Rachel ernährte sich ausschließlich von kartoffelbasierten Gerichten wie Pommes Frites, Ofenkartoffeln und Kartoffelbrei. Sie gestand: „Bei dem Gedanken, etwas anderes zu essen, musste ich mich übergeben.“ Sie hegte eine immense Angst vor Speisen mit Geschmack oder Gewürzen. Diese Essgewohnheiten könnten mit der Ablehnung von Babynahrung durch ihre Eltern in ihrer Säuglingszeit zusammenhängen.
Was ist ARFID?
Rachels Zustand ist keine bloße wählerische Essgewohnheit, sondern eine Erkrankung namens Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder (ARFID). ARFID wurde 2013 offiziell im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5) der American Psychiatric Association anerkannt. Die Störung zeichnet sich durch eine stark eingeschränkte Nahrungsaufnahme aus, die auf starke Abneigungen gegen Geschmack, Geruch oder Textur von Lebensmitteln sowie auf die Angst vor Erbrechen oder Ersticken zurückzuführen ist.
- Mangelernährung
- Gewichtsverlust
- Schwierigkeiten im sozialen Leben
ARFID kann in der Kindheit beginnen und bis ins Erwachsenenalter andauern. Betroffene essen oft immer wieder nur bestimmte Lebensmittel. Fälle wie bei Rachel, die jahrzehntelang nur vertraute Speisen wie Kartoffeln aß, sind keine Seltenheit.
Die Wirkung von Hypnotherapie und Behandlungsmethoden für ARFID
Bei einer kürzlichen Gesundheitsuntersuchung wurden bei Rachel hohe Cholesterinwerte festgestellt, was eine Überprüfung ihrer Ernährungsgewohnheiten erforderlich machte. Daraufhin begann sie eine kognitive Verhaltenstherapie-basierte Hypnotherapie und erhielt die Diagnose ARFID. Nach etwa 8 Sitzungen konnte sie zum ersten Mal Obst, Gemüse und Hühnchen-Auflauf zu sich nehmen. Besonders angetan hat es ihr die Banane und Erdbeeren, und sie berichtete, zum ersten Mal auch ein Ei-Kresse-Sandwich genossen zu haben.
ARFID ist eine behandelbare Erkrankung, wobei die wirksamste Methode derzeit die psychotherapeutische Behandlung auf Basis der kognitiven Verhaltenstherapie (CBT) ist. Im Rahmen der Therapie können die Betroffenen schrittweise mit den gefürchteten Lebensmitteln in Kontakt kommen und lernen, ihre Ängste und verzerrten Wahrnehmungen in Bezug auf Essen abzubauen. Ergänzend werden Ernährungsberatung und Essensübungen angeboten, und in manchen Fällen ist auch Familientherapie notwendig.
Verständnis und Bewusstsein für ARFID
Die Prävalenz von ARFID variiert je nach Studie, liegt aber in der Allgemeinbevölkerung zwischen 0,3 % und 15,5 %. Insbesondere in Kliniken für Essstörungen oder pädiatrische Essstörungen wurden Prävalenzraten von 5 % bis 64 % festgestellt. Studien zu Erwachsenen sind relativ selten, aber da die Diagnose oft verzögert wird oder fälschlicherweise als wählerisches Essverhalten abgetan wird, ist die tatsächliche Zahl der Betroffenen wahrscheinlich höher.
Rachels Geschichte unterstreicht die Notwendigkeit, ARFID nicht nur als eine Frage der Essgewohnheiten zu betrachten, sondern auch das Verständnis und Bewusstsein für diese Erkrankung zu schärfen. Mit zunehmendem Bewusstsein für solche Störungen hoffen wir, dass mehr Menschen die angemessene Behandlung erhalten können, die sie benötigen.
